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Neurodivergenz
Kleiner Aufwand, grosse Wirkung
Im Unterricht gute Voraussetzungen für neurodivergente Kinder schaffen, die der ganzen Klasse zugutekommen – dabei hilft die neue Checkliste von Sabrina Urwyler. Die Primarlehrerin gehört zu den bekanntesten Teachfluencerinnen des Landes und wurde soeben beim Swiss Influence Award zur Nummer 2 in einer bestimmten Kategorie gekürt: Wir gratulieren herzlich!
- Veröffentlicht:28.10.2026
- Autorin:Sabrina Urwyler
- Bild:Stock.com/PitiyaO
Sabrina Urwyler, Primarlehrerin und Teachfluencerin
Foto: zVg
Weniger Reize bedeuten meist mehr Konzentration.Sabrina Urwyler zur Gestaltung vom Schulzimmer
Von klaren Strukturen und Abläufen, verständlicher Sprache oder einem ruhigen Arbeitsplatz profitieren die meisten Kinder. Bei neurodivergenten Kindern sind diese Faktoren entscheidend für ihr Wohlbefinden und ihren Lernerfolg.
Die gute Nachricht: Es braucht dafür nicht unbedingt aufwändige Fördermassnahmen oder Sonderlösungen. Oft reichen kleine Anpassungen, um den Unterricht für die ganze Klasse übersichtlicher und zugänglicher zu machen. Die folgenden Merkpunkte lassen sich leicht umsetzen.
1. Reize reduzieren, Rituale etablieren
Zunächst lohnt sich ein Blick auf die Lernumgebung: Viele Schulzimmer sind sehr bunt und mit zahlreichen Plakaten oder Materialien gestaltet. Fragen Sie sich bewusst, was den Unterricht unterstützt und was eher ablenkt. Weniger Reize bedeuten meist mehr Konzentration.
2. Orientierung schaffen
Ein visualisierter Tagesablauf, das Stundenprogramm oder Piktogramme geben Halt. Wenn Arbeitsschritte und benötigtes Material gezeigt werden, fällt es vielen Kindern leichter, selbstständig ins Arbeiten zu kommen.
Digitale Tools wie zum Beispiel der «Classroomscreen» helfen dabei, solche Informationen übersichtlich darzustellen.
3. Zeit sichtbar machen
«Noch fünf Minuten» bedeutet nicht für alle Kinder dasselbe. Zeigt ein Timer oder eine Sanduhr, wie lange eine Arbeitsphase oder eine Pause noch dauert, erleichtert das die Übergänge und verhindert böse Überraschungen.
4. Aufgaben gliedern
Mehrere Anweisungen gleichzeitig oder sehr umfangreiche Aufgaben können überfordern. Teilen Sie Arbeitsaufträge in einzelne Schritte auf und veranschaulichen Sie diese. Wiederkehrende Abläufe können zum Beispiel mit einer kurzen Checkliste auf dem Pult sichtbar gemacht werden. So wissen die Kinder jederzeit, wo sie stehen und was als Nächstes folgt.
5. Flexibel arbeiten
Nicht jedes Kind kann sich am besten am eigenen Pult konzentrieren. Ein ruhiger Arbeitsplatz, Kopfhörer, ein Sichtschutz oder ein Lernbüro können helfen, Ablenkungen zu reduzieren. Einige Kinder arbeiten lieber im Stehen, auf dem Boden oder sogar unter den Tischen.
Flexible Arbeitsorte sind keine Sonderbehandlung, sondern erlauben es unterschiedlichen Kindern, erfolgreich zu lernen.
6. Selbstregulation ermöglichen
Manche Kinder brauchen Bewegung, andere sensorische Reize. Kurze individuelle Pausen, Gewichtskissen oder Fidget Toys können helfen, die Aufmerksamkeit wiederzufinden.
Wichtig ist, den Umgang damit gemeinsam einzuüben und die Angebote grundsätzlich allen Kindern zugänglich zu machen.
7. Klar sprechen
Im Unterricht vermitteln wir vieles über Sprache – oft mehr, als uns bewusst ist. Das kann Kinder überfordern, die Sprache langsamer verarbeiten. Reduzieren Sie Ihren Sprechanteil bewusst: Geben Sie einen Auftrag nach dem anderen, verwenden Sie kurze Sätze und kündigen Sie Übergänge frühzeitig an.
Visualisierungen, Gesten oder Gebärden (etwa PORTA-Gebärden) unterstützen das Gesagte und entlasten alle Kinder.
8. Gemeinsam Lösungen finden
Meist wissen die Kinder selbst und ihre Eltern erstaunlich genau, was im Schulalltag hilft. Fragen Sie nach Strategien, die bereits funktionieren. Vereinbaren Sie bei Bedarf kleine, unauffällige Signale – etwa ein Handzeichen für «Ich habe dich gesehen » oder «Diese Regel gilt für dich im Moment nicht».
Solche Abmachungen unterstützen, ohne zu stigmatisieren.
Zur Autorin
Die Berner Primarlehrerin Sabrina Urwyler unterrichtete 13 Jahre lang 3. bis 6. Klassen. Dabei hat sie viele neurodivergente Kinder begleitet. Seit diesem Schuljahr nimmt die Mutter eines Kindes eine Auszeit vom Schulzimmer.
Sie ist auf Instagram schon lange unter schulgefunkel zu Bildungsthemen aktiv, mit über 67'000 Followerinnen und Followern, und betreibt eine Website.
Sabrina Urwyler gehört zu den bekanntesten Teachfluencerinnen des Landes. Am 27. Oktober 2026 wurde sie in Zürich beim Swiss Influence Award zur Nummer 2 der Top 10 Business & Finance Influencer 2026 gekürt (bisher gibt es keine Kategorie «Education» oder ähnlich).
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