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Didaktisches Konzept

Die didaktischen Konzepte unserer Deutschlehrwerke für den Zyklus 1 sind aufeinander abgestimmt. Die Kontinuität der Sprachförderung ist mit den Lehrwerken «Die kleinen Sprachstarken», «Die Sprachstarken 1» und «Die Sprachstarken 2» garantiert.

Die Sprachstarken 1

«Die Sprachstarken 1» bieten Materialien für einen offenen Unterricht an und fokussieren auf den Schriftspracherwerb.

Spracherfahrungsansatz als didaktisches Konzept

Im Fokus des ersten Schuljahres steht die systematische Einführung in die Schriftsprache. Die didaktische Konzeption der «Sprachstarken 1» orientiert sich dabei am Spracherfahrungsansatz. Er bindet den Erwerb und Gebrauch der Schriftsprache eng an die – individuell sehr unterschiedlichen – (Laut-)Spracherfahrungen der Kinder an. Der Grundgedanke: Um ihre Laut- und Schriftsprachkompetenz möglichst weit entwickeln zu können, müssen Kinder immer wieder die Erfahrung machen, wie ihre eigenen Gedanken und die anderer zur Sprache kommen und wie Sprache dann Schrift wird, aus der man die festgehaltenen Gedanken wieder als gesprochene Sprache lebendig werden lassen kann.

Differenziertes Sprachlernen

Schon wegen der grossen Unterschiede zwischen den Kindern sind «Die Sprachstarken 1» nicht themengebunden konzipiert. Bestimmte Sprachformen, Laut-Buchstaben-Verbindungen oder auch einzelne Wörter werden nicht an vorgegebenen Inhalten eingeführt. Nur mit Bezug auf die aktuellen Themen der konkreten Lerngruppe und die inhaltlichen Interessen einzelner Kinder kann das Sprachlernen differenziert gefördert werden. Damit werden «Die Sprachstarken 1» auch den Anforderungen eines inklusiven Unterrichts und der verbreiteten Jahrgangsmischung 1./2. Klasse gerecht.

Die Themen ergeben sich also aus gemeinsamen Projekten und aus individuellen Vorhaben der Kinder, zu denen sie lesen und über die sie schreiben. Die Anforderungen variieren dabei mit den unterschiedlichen Erfahrungen und Kompetenzen der verschiedenen Kinder. Sie sprechen, lesen und schreiben auf ihrem jeweiligen Entwicklungsniveau über das, was sie inhaltlich interessiert. Dabei werden die grundlegenden Fertigkeiten immer wieder neu geübt – an individuell bedeutsamen oder gemeinsam verabredeten Inhalten. Das gilt sowohl für das Erlesen unbekannter Wörter bei der selbst gewählten Lektüre wie auch für das lautierende Verschriften von neuen Wörtern in eigenen Texten. Wie im Kindergarten ist das miteinander Sprechen auch im ersten Schuljahr zentrales Medium – in allen Lernbereichen: Der Erfolg in der Schule und im späteren Leben ist wesentlich davon abhängig, ob die Kinder zuhören und andere verstehen können, ob sie ihre Gedanken sprachlich differenziert ausdrücken und sich mit anderen verständigen können. Um diese Fähigkeiten zu entwickeln, bieten «Die Sprachstarken 1» vielfältige Möglichkeiten und ernsthafte Anlässe für Gespräche untereinander, zum Austauschen von Ideen und Meinungen, zur gemeinsamen Planung der Zusammenarbeit in der Lerngruppe und zum mit- und voneinander Lernen. Gespräche gelingen aber nur, wenn sich alle an Regeln halten. Auch diese sollten gemeinsam besprochen und vereinbart werden.

Um die Verbindung zum Lautspracherwerb und die Kontinuität zu den Aktivitäten im Kindergarten zu verdeutlichen, sprechen wir bewusst von einer Förderung der Schriftsprache – als (sozialer) Handlungskompetenz, nicht als formaler Kulturtechnik. Damit wird einerseits betont, dass die Anregung und Unterstützung des Lernens analog zu den Formen des (Laut-)Spracherwerbs konzipiert wird: Form folgt Inhalt. Kinder lernen Lesen und Schreiben, indem sie viel Gelegenheit erhalten, zu lesen und zu schreiben – jeweils auf ihrem individuell erreichten Niveau. Lesen und Schreiben werden nicht als blosse Techniken vermittelt. Die Schriftsprache soll von den Kindern von Anfang an als Medium alltäglichen Sprachhandelns wie auch des sozialen Austauschs verstanden und genutzt werden.

Grundsätze des Spracherfahrungsansatzes

Der Spracherfahrungsansatz ist eine Unterrichtskonzeption des Lesen- und Schreibenlernens, welche die – sehr unterschiedlichen – inhaltlichen und sprachlichen Vorerfahrungen der Kinder ernst nimmt, an ihnen anknüpft und sich an folgenden Grundsätzen orientiert: 

  • Schrift ist ein Medium mit eigener Logik, aber durch das ihr zugrunde liegende alphabetische Prinzip hat sie einen engen Bezug zur Lautsprache. Die Förderung des Lesens und Schreibens sollte deshalb inhaltlich wie formal zunächst an der gesprochenen Sprache anknüpfen. Damit kann sie verdeutlichen, wie sich Sprache in Schrift übersetzen lässt (und umgekehrt) und welche Besonderheiten dabei zu beachten sind. Zum Beispiel kann dasselbe Graphem für verschiedene Laute stehen (Beispiel : Chamäleon, Chance, Charterflug), andererseits kann derselbe Laut durch verschiedene Schriftzeichen repräsentiert werden (Beispiel /f/: Falter und Vater).
  • Ohne Einsicht in die Funktionen des Lesens und Schreibens fehlt vielen Kindern die Motivation, sich auf die kognitiven und motorischen Anstrengungen einzulassen, die die komplexe Aneignung der technischen Aspekte der Schriftsprache erfordert. Lesen und Schreiben sollten deshalb auch im Klassenzimmer als soziale Handlungen inszeniert werden (Vorlesen, Briefe schreiben, Tagesplan gemeinsam erstellen und ähnliche Aktivitäten). Diese ermöglichen ihnen individuell bedeutsame Erfahrungen: Lesen- und Schreibenlernen auf eigenen Wegen – aber nicht allein.
  • Das Lesen- und Schreibenlernen ist ein Prozess eigenständiger Rekonstruktion des Schriftsystems durch die Kinder. Diese brauchen deshalb Raum und Zeit für individuelle Zugänge und für Zwischenformen auf dem Weg zur Konvention. Das schliesst eine gewisse Fehlertoleranz ein. Dabei werden Kinder, die zum Beispiel mit dem Berner Dialekt aufgewachsen sind, manche Laute anders verschriften als Kinder aus dem Thurgau – und beide anders als Kinder mit italienischer oder albanischer Muttersprache. Aber in dieser Einstiegsphase kommt es noch nicht auf orthografische Korrektheit einzelner Wörter an, sondern darauf, dass die Kinder grundsätzlich begreifen, wie sich die Buchstabenfolge von Wörtern auf ihre Lautform bezieht. Und sie sollen diese Einsicht in ihren kleinen Texten so umsetzen können, dass gutwillige Leserinnen und Leser sie entziffern können.
  • Fortschritte in dieser Entwicklung sind aber nur möglich durch die Begegnung mit Alternativen zu den eigenen Versuchen. Deshalb sind schrifterfahrene Erwachsene wichtig als Modelle beim Lesen und Schreiben, aber auch um spezifische Rückmeldungen zu geben, beispielsweise durch eine wertfreie Konfrontation der Schreibversuche der Kinder mit den Normen der Erwachsenenschrift. Ihnen wird so das Ziel des Unterrichts von Anfang deutlich gemacht, aber das Erreichen des Ziels noch nicht abverlangt.
  • Mindestens ebenso wichtig ist die Zusammenarbeit und der Austausch mit anderen Kindern, deren Lese- und Schreibaktivitäten ebenfalls anregen bzw. herausfordern können («Lernen von- und miteinander» – in der Kurzformel der Zürcher Didaktiker Gallin und Ruf: «vom Singulären über das Divergierende zum Regulären»). Die Materialien zum Schriftspracherwerb sind in den «Sprachstarken 1» so konzipiert, dass die Kinder sie nach einer kurzen Einführung weitgehend selbstständig und im eigenen Tempo bearbeiten können. Das erlaubt eine «Individualisierung von unten» statt einer «Differenzierung von oben». Letztere würde die Lehrpersonen angesichts der grossen Bandbreite der Voraussetzungen auch überfordern.

Deutsch als Zweitsprache

Die Materialien der «Sprachstarken 1» sind so angelegt, dass sie DaZ-Kinder beim Schriftspracherwerb unterstützen:
Das Schreiben mit der Anlauttabelle erschliesst Kindern mit jedem Dialekt und jeder Erstsprache die grundlegende Einsicht in die Struktur der alphabetischen Schrift. Manche Kinder brauchen zu Beginn allerdings die Unterstützung der Lehrperson beim lautierenden Schreiben. Die 380 Bilder der digitalen Lernwerkstätten (mit eingesprochenen Wörtern) helfen Kindern mit geringem deutschen Wortschatz, diesen zu erweitern. Auf den Kopiervorlagen werden über 200 Bildkarten angeboten, die sich im Unterricht unterschiedlich verwenden lassen. Die Box mit 15 leseleichten Büchlein enthält viele Begriffe aus der Alltagssprache, die gerade für Kinder mit anderer Erstsprache wichtig sind. Die Vorlesegeschichten in den Arbeitsheften «Hören und Sprechen» sowie «Lesen» und die vorgeschlagene Vorleselektüre auf meinklett.ch bieten Kindern Modelle der Schriftsprache in gesprochener Form an.

Altersdurchmischtes Lernen

Bei den «Sprachstarken 1» geht es um den Erwerb der Schreib- und Lesekompetenzen. Stärkere SuS können bereits einzelne Aufgaben aus den «Sprachstarken 2» lösen. Umgekehrt können Kinder, welche in der 2. Klasse noch Mühe mit den Schreib- und Lesekompetenzen haben, auf Übungen aus den «Sprachstarken 1» zurückgreifen. Die AdL-Handreichung, welche 2025 neu herauskommt, zeigt auf, wie sich Band 1 und Band 2 optimal in AdL-Klassen einsetzen lassen. Wie sich der AdL-Unterricht zusammen mit den «Kleinen Sprachstarken» gestalten lässt, erfahren Sie hier: https://www.klett.ch/adl-mit-den-sprachstarken

Ziel der «Sprachstarken 1» für das Ende der 1. Klasse ist es, dass die Kinder in der mündlichen Kommunikation sicherer werden und zudem in der Lage sind, erste unbekannte Wörter selbstständig zu erlesen und eigene Wörter lautgerecht zu verschriften. Dies ist die Basis für eine ab dann stärker normorientierte Förderung. 

Projektteam

Fachdidaktische Projektleitung

Erika Brinkmann, bis 2017 Professorin für deutsche Sprache, Literatur und deren Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd. Gemeinsam mit Hans Brügelmann hat sie den Spracherfahrungsansatz für den deutschen Sprachraum weiterentwickelt und als Herausgeberin und Autorin der «ABC-Lernlandschaft» das passende Unterrichtsmaterial dazu konzipiert. Sie wirkt als fachdidaktische Leiterin und als Autorin bei der Weiterentwicklung dieser Materialien zu den «Sprachstarken 1» mit.

Autorinnen und Autoren

Eva Biasio, Dozentin Fachdidaktik Sprache an der Pädagogischen Hochschule Luzern

Erika Brinkmann

Hans Brügelmann

Sibylle Hurschler Lichtsteiner, Dozentin für Psychomotorik und Schriftdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Luzern

Josy Jurt Betschart, Dozentin Fachdidaktik Sprache an der Pädagogischen Hochschule Luzern, Autorin Bände 1–6

René Schär, Dozent Fachdidaktik Sprache an der Pädagogischen Hochschule Luzern

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