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«Es braucht auch auf der Oberstufe ­Leseförderung»

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«Es braucht auch auf der Oberstufe ­Leseförderung»

Interview | 12. Mai 2020

Thomas Lindauer und Werner Senn sind die fachdidaktischen Leiter der «Sprachstarken». Im Interview erklären sie, wie mit dem Lehrwerk die Leseflüssigkeit und das Leseverständnis gefördert werden und warum dazu anspruchsvollere Texte nötig sind.

«Die Sprachstarken» ­werden ­weiterentwickelt

Unser beliebtes Deutsch­lehrwerk wird weiter­entwickelt. Auch die neue Ausgabe der «Sprachstarken» unterstützt alle ­Schülerinnen und Schüler mit vielen Übungen dabei, sprachstark zu werden. Lehr­personen navigieren dank verbesserter Orientierung und digitaler Vernetzung rasch und mühelos durch das Lehrmittel. Der erste Band, «Die Sprachstarken 2», ist auf das Schuljahr 2021/22 einsatzbereit.

Die Schweizer Jugendlichen haben bei der Pisa-Studie im Bereich Lesen nicht gerade gut abgeschnitten. Hat das Resultat Sie überrascht?

Thomas Lindauer: Nein. Es lagen vorher schon die Ergebnisse der Überprüfung zur Erreichung der EDK-Grundkompetenzen (ÜGK) vor, von daher war das Ergebnis erwartbar.

Werner Senn: Die Schweiz hat im Ländervergleich durchschnittlich abgeschnitten. Allerdings wurde die Gruppe der schwächsten Leserinnen und Leser grösser. In der Schule herrscht die Erwartung, dass Grundfertigkeiten wie Lesen oder Schreiben von der 1. bis zur 3. Klasse gelernt werden. Somit wird das Problem, dass manche Schülerinnen und Schüler an der Oberstufe noch nicht fliessend lesen können, danach oft gar nicht mehr angegangen. Deshalb braucht es auch auf der Oberstufe eine Förderung der Grundfertigkeiten.

Lindauer: Bei der Pisa-Studie wurde neben dem Leseverständnis auch die Leseflüssigkeit geprüft. Lehrpersonen sollten mit der Klasse beides fördern: Lesegeschwindigkeit und Leseverständnis. «Die Sprachstarken» werden in diese Richtung weiterentwickelt.

Wie gross ist der Einfluss eines Lehr­mittels auf die Lesekompetenz?

Senn: «Die Sprachstarken» zeigen, wie die Lehrperson vorgehen kann, damit die Schülerinnen und Schüler Texte verstehen. Wichtig ist ein sprachbewusster Unterricht, ein bewusstes Arbeiten mit Sprache in allen Fächern, beispielsweise auch in Mathematik.

Lindauer: Ein Lehrmittel gibt Lernstrukturen vor; davon profitieren vor allem schwächere Kinder, die viel Struktur und Repetition brauchen. Das kann ein Lehrwerk leisten. In den «Sprachstarken» kommt immer die gleiche Struktur vor. Eine solche Strukturierung bräuchte es in allen Fächern.

Was können «Die Sprachstarken» ­leisten, um die Lesefähigkeit der Kinder zu verbessern?

Senn: In den «Sprachstarken» hat es drei Typen von Fragen: zum Nachschauen, zum Verstehen, zum Nachdenken. Zuerst müssen die Kinder also im Text nachschauen, um eine Frage des ersten Typus zu beantworten. Dann folgen Verständnisfragen und am Schluss weiterführende Fragen, die zum Nachdenken anregen.

Lindauer: Mit diesen Fragen wird für die Lehrperson sichtbar, ob das Kind Informationen aus dem Text extrahieren, ob es diese Informationen verknüpfen und, beim dritten Fragetypus, ob es sich daraus ein Bild konstruieren und in sein Weltwissen einordnen kann. So sieht die Lehrperson, auf welcher Ebene ein Kind Probleme hat. Es ist zentral, dass die Kinder an den Text herangeführt werden, das können gerade die Schwächeren nicht allein machen.

Senn: Dazu sind in den «Sprachstarken» verschiedene Vorgehensweisen vorgestellt, etwa wie man einen Text markiert oder dass man diejenigen Stellen kennzeichnet, die man nicht versteht. In den überarbeiteten «Sprachstarken» bauen wir auch die basalen Grundfertigkeiten aus, also den Decodierungsprozess, die Lesegenauigkeit und -geschwindigkeit. Diese kann man automatisieren und trainieren. Es gibt immer wieder einfache, vergleichbare Aufgaben, um das flüssige Lesen zu trainieren.

Lindauer: Ganz wichtig ist, dass solche Trainings nicht stundenlang stattfinden, sondern nur etwa zehn Minuten, dafür zwei bis drei Mal pro Woche. Länger ist man nämlich nicht konzentriert bei der Sache.

Was kann eine Lehrperson machen, um ihre Schülerinnen und Schüler zu fördern?

Lindauer: Die Lehrperson schaut genau hin und analysiert, wo die Kinder stehen. Ein Lehrmittel ist, wie der Name schon sagt, ein Mittel zum Lehren. Die Lehrperson muss es mit Leben füllen, erklären, in eigene Worte fassen. Ein Lehrwerk ist ein Werkzeug in den Händen der Lehrperson. Deshalb sind auch gewisse Anweisungen in den «Sprach­starken» für die Lehrperson und nicht nur für die Schülerinnen und Schüler gedacht. Die Anweisungen stehen eben auch darum im Schulbuch, damit die Lehrperson nicht immer im Begleitband nachschauen muss.

Senn: Und sehr wichtig: «Die Sprachstarken» enthalten ganz bewusst schwierige Texte, denn nur für solche Texte sind Lernstrategien nötig. «Die Sprachstarken» bieten aber auch die Unterstützung, mit der diese Texte verstanden werden.

Sie sprechen viel von Üben und Trainieren. Was ist damit genau gemeint?

Senn: Wir unterscheiden das klar und fragen uns zum Beispiel: Welche Aspekte des Schreibens kann man überhaupt trainieren? Die Grundfertigkeiten des Schreibens beispielsweise lassen sich trainieren, etwa flüssig von Hand schreiben, orthografisch korrekt schreiben. Andere Teilprozesse lassen sich nicht auf diese Art automatisieren, aber man kann sie üben, zum Beispiel wie man einen Text adressatengerecht abschliesst. Ist etwas automatisiert, wird kognitive Kapazität frei für komplexere Sprachhandlungen wie einen Text planen oder eben zielgruppenorientiert schreiben.

Wie helfen «Die Sprachstarken», wenn Kinder in der 6. Klasse noch nicht richtig lesen oder rechtschreiben können?

Senn: Man darf nicht davon ausgehen, dass bis zur 3. Klasse das Lesenlernen abgeschlossen ist. Deshalb enthalten «Die Sprachstarken» auch von der 4. bis zur 6. Klasse noch Lesetrainings. Ganz wichtig ist Lesen zu zweit. Ab der 4. Klasse kommt das sogenannte ­Paired Reading zum Zug, bei dem ein besseres und ein schwächeres Kind gemeinsam lesen. Auch das bessere profitiert; es muss genauer lesen, kontrollieren, was das andere macht. Das fördert seine Meta-Kommunikationsfähigkeiten.

Lindauer: Die Rechtschreibung ist im Lehrmittel bewusst einfach gehalten. Die Schülerinnen und Schüler müssen vor allem die zentralen Rechtschreibregeln automatisiert haben, sie müssen sich in Rechtschreibung sicher fühlen – nicht überfordert. Das erreicht man durch ein fokussiertes Rechtschreibtraining. Es ist gut, wenn die Kinder mehrmals das Gleiche machen, weil sie es danach können. Automatisieren und Fokussieren auf das Wesentliche, damit es sitzt, das führt zu Erfolgserlebnissen, gibt Sicherheit und schafft Vertrauen. Die Ausnahmen lernen sie später.

Senn: Die Lehrpersonen müssen den Lehrwerken vertrauen können. Sie vertrauen Lehrwerken, die nicht nur praxistauglich, sondern auch lerneffektiv sind. Dazu braucht es ein fundiertes Konzept dahinter. Und das ist in den «Sprachstarken» vorhanden.


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