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Auf Schulbesuch
Den Unterrichtsalltag verstehen
Um praxistaugliche Lehrmittel zu entwickeln, muss man die Bedürfnisse der Lehrpersonen und Lernenden kennen und verstehen. Die Realität aus den Klassenzimmern trägt seit zwei Jahren Jasmin Good in den Verlag. Sie erzählt uns mehr über ihre Arbeit.
- Veröffentlicht:16.04.2026
- Autorinnen:Jasmin Good, Susanne Reinshagen
- Bild:Louis Rafael Rosenthal; Grafiken: Rolf Hansen
Ein Lehrmittelverlag bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Fachdidaktik, Politik und Praxis. Die Didaktik liefert wissenschaftlich fundierte Konzepte, während die Politik Rahmenbedingungen setzt. Der Fokus des Verlags liegt jedoch auf dem Unterrichtsalltag. Um sicherzustellen, dass praxistaugliche Lehrmittel entwickelt werden, pflegt Klett und Balmer seit jeher einen engen Kontakt zu Lehrpersonen und lässt die Lehrmittel von ihnen erproben. Mit der zunehmenden Komplexität und Digitalität ist es wichtig, sich noch intensiver und systematischer mit dem Unterrichtsalltag und den Umständen in den Klassenzimmern zu befassen.
Deshalb setzt sich Jasmin Good seit zwei Jahren intensiv mit den Bedingungen im Unterricht auseinander und beschreibt das Ziel ihrer Arbeit wie folgt: «Ich möchte erfahren, welchen Herausforderungen die Lehrpersonen täglich begegnen und wie wir sie als Verlag dabei besser unterstützen können. Wir stellen uns zum Beispiel die Frage, in welcher Unterrichtsphase welche Materialien zu welchem Zweck eingesetzt werden und wann in welchen Sozialformen gearbeitet wird.» Um diese Fragen zu beantworten, verbringt Jasmin Good so viel Zeit wie möglich in den Schulen. Dabei wird sie oft von Arbeitskolleginnen und -kollegen aus verschiedenen Funktionsbereichen des Verlags begleitet. Gemeinsam beobachten sie den Unterricht und tauschen sich mit Lehrpersonen und Schulleitungen aus.
Ein Tag voller Begegnungen und mit intensivem Austausch
Ein typischer Schulbesuch von Jasmin Good beginnt frühmorgens. «Ich besuche meist mehrere Klassen und Lehrpersonen an einem Tag. Das gibt mir die Möglichkeit, den Unterricht aus verschiedenen Perspektiven wahrzunehmen und isoliertes Wissen zu vermeiden», erklärt sie ihr Vorgehen. Besonders wertvoll findet Jasmin Good den Austausch im Teamzimmer. «Hier entstehen oft die ehrlichsten Gespräche. Lehrpersonen teilen mir ihre Herausforderungen, Wünsche und auch ihre Kritik mit», erzählt sie und ergänzt: «Es geht nicht darum, den Einsatz von Lernmedien zu bewerten oder die Unterrichtsqualität zu beurteilen, sondern die Umstände besser zu verstehen und daraus zu lernen.»
Der Einsatz digitaler Medien steigt mit jeder Klassenstufe.
Wertvolle Erkenntnisse für die Lehrmittelentwicklung
Nach den Besuchen dokumentiert und analysiert sie die Informationen sorgfältig. Die Erkenntnisse daraus fliessen direkt in die Verlagsarbeit ein. Das vertiefte Verständnis des Unterrichtsalltags hilft, Lehrmittel zu entwickeln, die den tatsächlichen Bedürfnissen der Lehrpersonen und Lernenden entsprechen. «Wir möchten Materialien schaffen, welche die komplexen Bedingungen des Unterrichts berücksichtigen. Sie müssen einen starken Lebensweltbezug aufweisen, Orientierung geben und einfach in der Handhabung sein – für Lehrpersonen ebenso wie für Lernende.»
Das Arbeiten mit digitalen Medien erhöht den durchschnittlichen organisatorischen Aufwand während des Unterrichts nicht signifikant.
Theoretisch durchdacht, praktisch nutzbar
Mit diesem Ansatz setzt Klett und Balmer ein Zeichen: Lehrmittel sollen nicht nur theoretisch durchdacht, sondern vor allem praktisch nutzbar sein. Und das gelingt nur, wenn man den Unterrichtsalltag wirklich kennt.
Unterricht im Plenum mit Interaktion zwischen Lehrperson und Lernenden sowie Einzelarbeit sind die favorisierten Sozialformen.
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