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Apropos Medien

Ich vergleiche, also bin ich

Die Heranwachsenden von heute begegnen auf Social Media vielen Personen, mit denen sie sich vergleichen. Was bedeutet das für die Identitätsentwicklung? Eveline Hipeli, Co-Autorin des neuen Lehrwerks «Apropos Medien», zeigt Chancen und Risiken auf.

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Die Kommunikationswissenschaftlerin und Medienpädagogin Dr. Eveline Hipeli ist Dozentin im Bereich Medienbildung an der PH Zürich. Sie arbeitet als Autorin an «Apropos Medien», zusammen mit den didaktischen Leitern Prof. Dr. Daniel Ammann, PH Zürich, und Prof. Dr. Thomas Hermann, PH Schaffhausen. Beim Band für den Zyklus 3 gehört zudem Flurin Senn-Albrecht von der PH Zürich zum Team.

Die Fragen «Wer bin ich?» und «Wie will ich sein?» haben die Menschen seit jeher beschäftigt. Unds zwar nicht nur die Erwachsenen, insbesondere auch die Jugendlichen. In der Auseinandersetzung mit seiner Umwelt erkundet der Mensch verschiedene Sozialräume, lernt die unterschiedlichsten Menschen kennen, reflektiert und vergleicht sich automatisch.

Ein Blick zurück

Vor fünfzig Jahren bestand das Umfeld, mit dem man sich verglich, aus dem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis; dazu kamen höchstens noch Personen, die man aus Zeitschriften, Radio und TV kannte. Diese medialen Vorbilder oder Idole waren für die meisten jedoch kaum erreichbar und wurden für ihren Stil, ihre Musik, ihr modisches Auftreten und ihre Art aus der Distanz betrachtet und bewundert. Das BRAVO-Poster an der Zimmerwand war Ausdruck der grössten Nähe, die man zu seinem Idol herstellen konnte.

Im Prozess der Suche nach der eigenen Identität waren schon immer Personen aus der eigenen Lebenswelt wichtig, aber eben auch mediale Figuren und Vorbilder. Mit dem Aufkommen neuer Formate nahm die Distanz zu solchen Idolen eher ab: Reality-TV etwa, welches das Leben von Prominenten scheinbar begleitet, lässt bei den Zuschauenden das Gefühl entstehen, an deren Leben ein Stück weit teilzuhaben.

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Im Kapitel «Medien und Identität» von «Apropos Medien» werden Fragen gestellt wie: Welchen Personen folgst du in den sozialen Medien? Haben diese Menschen Vorbildcharakter für dich und warum? Bewunderst du auch fiktive Figuren aus Märchen, Büchern, Filmen oder Comics? Hängt bei dir zuhause ein Poster einer bestimmten Person oder einer Figur?

Schöne neue Social-Media-Welt?

Durch Plattformen wie Instagram, TikTok und Youtube haben nicht nur die grossen Berühmtheiten eine neue Bühne für sich. Auch ganz normale Menschen von nebenan präsentieren sich – mehr oder weniger erfolgreich – auf der virtuellen Bühne mittels Text, Bild und Ton. Sie werden von ihren Followerinnen und Followern beobachtet, häufig imitiert, es wird verglichen, adaptiert und selektiert. Das Nähegefühl von Konsumentinnen zum Idol/Influencer ist auch deswegen anders, weil durch die Kommentar- und Like-Funktionen eine Art Kommunikation möglich ist, die mit den Fanbriefen und Autogrammkarten von früher nichts mehr gemeinsam hat. Nicht selten fühlt man sich im Rahmen einer Social-Media-Fan-Community als Nutzerin oder Nutzer stark zugehörig.

Apropos Medien

Die Lehrwerksreihe umfasst im Lehrplan-21-Modul «Medien und Informatik» den ersten Teil. Für den zweiten Teil findet sich im Angebot von Klett und Balmer bereits «Einfach Informatik». Wir decken das Modul also nicht mit einer, sondern mit zwei Reihen ab – aus unserer Sicht lassen sich so die Kompetenzziele des Lehrplans am besten erreichen.

Von «Apropos Medien 5/6» erscheinen Schulbuch und Begleitband im Mai, dies Digitale Ausgabe für Schülerinnen und Schüler (DAS) und diejenige für Lehrpersonen (DAL)n im Juni. Der Band enthält zwölf Einheiten, eine davon ist auf der Lehrwerkswebsite schon abrufbar. Jede Einheit weist den Lehrplanbezug deutlich aus. Die Reihenfolge ist flexibel, und auch die Elemente innerhalb einer Einheit müssen nicht zwingend alle bearbeitet werden.

Für den Zyklus 3 folgt das Lehrwerk auf das Schuljahrs 2024/25. «Apropos Medien 7–9» wird als digiOne herauskommen, also komplett digital.

aproposmedien.ch
einfachinformatik.ch
klett.ch/digital/digione

Doch keine Medaille ohne Kehrseite. Gerade Heranwachsende merken noch nicht zielsicher, hinter welchen Postings sich versteckte Werbung verbirgt. Unrealistische Konsumwünsche können durch Vergleiche entstehen. Zudem erkennen Kinder und Jugendliche die Möglichkeiten zur Bildbearbeitung oft nicht. Und selbst wenn: Auch dann kann in der vulnerablen Phase der Identitätsfindung der Wunsch nach unrealistischen (Körper-)Idealen aufkommen.

Mit Medienkompetenz einen realistischen Blick entwickeln

Kinder und Jugendliche sollen dennoch nicht davon abgehalten werden, sich weiterhin auch online mit Menschen zu vergleichen. Der Umgang mit dem Überfluss an Eindrücken will jedoch gelernt sein. Ein kritischer Blick, um Medieninhalte beurteilen zu können, ist wichtig. Ebensos sollen Kinder und Jugendliche vermittelt bekommen, dass es jederzeit in Ordnung ist, über Medienerlebnisse mit Freundinnen und Freunden, Eltern und Lehrpersonen zu sprechen. Diess ist für die eigene Reflexion unerlässlich. Und es führt dazu, dass Kinder und Jugendliche ihre Medienrezeption, aber auch ihre Selbstdarstellung in den Medien regulieren lernen. Aufs diese Weise lässt sich die Identitätsentwicklung im Zeitalter der vielen Vergleichsmöglichkeiten ebenfalls gewinnbringend begleiten.


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