- Verlag
Künstliche Intelligenz
Lernprozesse mit KI unterstützen
Künstliche Intelligenz hält Einzug in die Schweizer Klassenzimmer. Doch wie gelingt das verantwortungsvoll? Daniela Ganter und Sarah Kägi, beide im Bereich digitale Lernmedien beim Klett und Balmer Verlag tätig, erklären, nach welchen Grundsätzen KI in die Lehrmittel integriert wird.
- Veröffentlicht:30.10.2026
- Autorin:Susanne Reinshagen
- Bild:Louis Rafael Rosenthal
Wie hat Klett und Balmer den Einstieg in das Thema KI gefunden?
D. Ganter: Wir haben bei der Entwicklung mit innovativen Partnerfirmen wie Taskbase zusammengearbeitet. Ursprünglich als ETH-Spinoff gestartet, ist Taskbase heute ein Unternehmen mit langjähriger Erfahrung in der Anwendung von KI im Bildungsbereich. Wir erkannten das Potenzial dieser Technologie, sowohl für Lehrpersonen als auch für Lernende. Für uns als Verlag war schnell klar: Das wird ein grosses Thema, hier wollen wir mitgestalten und mitlernen.
S. Kägi: Als innovativer Verlag stellen wir uns die Frage, wie wir unsere Lehrmittel mit KI zukunftsfähig machen, Lehrpersonen entlasten und Schülerinnen und Schüler in ihrem individuellen Lernprozess unterstützen können. Daran arbeiten wir und haben zwei neue KI-Anwendungen, den «TextCoach» und «KiWi» (mehr dazu ab S. 8), auf den Weg gebracht. Beide stehen derzeit für Band 7 der neuen «Sprachstarken» zur Verfügung.
Daniela Ganter, Leitung Programm 4 – digitale Lernmedien
Im Volksschulbereich gibt es meines Wissens keine mit unseren KI-Anwendungen vergleichbaren Angebote.Daniela Ganter, Leitung Programm 4 – digitale Lernmedien
Nach welchen Grundsätzen setzt Klett und Balmer KI ein?
S. Kägi: Unsere KI-Tools unterliegen hohen datenschutzrechtlichen Anforderungen. Zum einen sind die Daten von Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schülern umfassend geschützt. Zum anderen sichern wir auch die Urheberrechte von allen, die an den Lehrwerken mitarbeiten – das ist für uns nicht verhandelbar. Ein weiterer Grundsatz ist, dass unsere eigenen KI-Anwendungen auf die kuratierten Inhalte des Lehrmittels zugreifen und deshalb geprüfte Ergebnisse liefern.
D. Ganter: Ebenfalls wichtig ist, dass die Tools einfach in der Anwendung und praxisnah sind. Darum testen wir intensiv an verschiedenen Stellen des Prozesses mit einer KI-Praxisgruppe und lassen Lehrpersonen die Anwendungen in ihrem Alltag ausprobieren. Ihr Feedback fliesst in die Entwicklung ein.
Wie unterscheiden sich die KI-Tools von Klett und Balmer von anderen Angeboten im Bildungsbereich?
D. Ganter: Im Volksschulbereich gibt es meines Wissens keine mit unseren KI-Anwendungen vergleichbaren Angebote. Unsere Tools sind lehrwerksbasiert und beziehen sich direkt auf die Inhalte und Didaktik des jeweiligen Lehrmittels. Die Ergebnisse sind konkret und korrekt und damit von grossem praktischen Nutzen für Lehrpersonen und Lernende. Das ist der wichtigste Unterschied zu den gängigen KI-Angeboten.
S. Kägi: Da unsere Tools in den «Digitalen Raum» des jeweiligen Lehrwerks eingebunden sind, lassen sie sich einfach in den Unterrichtsablauf integrieren. Ein mühsamer Wechsel zu einem Browser oder Reinkopieren von Inhalten braucht es nicht. Zudem fallen zurzeit keine zusätzlichen Lizenzgebühren an.
Welchen Nutzen bringen die KI-Anwendungen den Lehrpersonen?
D. Ganter: Der «TextCoach» entlastet Lehrpersonen beim aufwändigen Korrigieren von Schreibarbeiten, indem er ein strukturiertes Feedback auf der Grundlage der Beurteilungskriterien der neuen «Sprachstarken 7» gibt. Die Lehrpersonen gewinnen Zeit und können dadurch Schreibanlässe in den Unterricht integrieren, um die entsprechenden Kompetenzen besser zu fördern.
S. Kägi: «KiWi» unterstützt Lehrpersonen in unterschiedlichsten Bereichen, beispielsweise bei der Unterrichtsplanung, beim Differenzieren oder beim Einstieg in neue Themen. Das KI-Tool erstellt Lektionenpläne, gibt Ideen für selbstorganisiertes Lernen oder die Individualisierung des Unterrichts. So lässt sich der Unterricht präzisieren und variieren.
D. Ganter: Diese lehrwerksbezogene Unterstützung macht die Einarbeitung in ein Lehrmittel von Klett und Balmer einfacher. Die Lehrperson kann sich schneller orientieren und ihren Unterricht mit dem Lehrmittel nach ihren Vorstellungen gestalten.
Sarah Kägi, AI Innovation Manager
KI eröffnet neue Möglichkeiten für eine individuelle Förderung.Sarah Kägi, AI Innovation Manager
Und den Schülerinnen und Schülern?
S. Kägi: «KiWi» steht den Lernenden noch nicht zur Verfügung. Diese Anwendung muss für sie anders konzipiert und entwickelt werden als für Lehrpersonen. Wir müssen zuerst festlegen, wie viel Information die Lernenden brauchen, um sie zu unterstützen, ohne das selbstständige Denken zu ersetzen.
D. Ganter: Hier die richtige Balance zu finden, ist eine zentrale Aufgabe. Die KI darf den Lernenden weder das Denken noch das konkrete Umsetzen von Arbeiten abnehmen. Sie soll sie fördern und fordern. Auch zurückhaltende Schülerinnen und Schüler können davon profitieren, denn «KiWi» kann ihnen als Gesprächspartnerin dienen und ihren Lernprozess begleiten. Das kann die Chancengleichheit für Lernende erhöhen, beispielsweise für jene, die wenig Unterstützung ausserhalb der Schule erhalten.
S. Kägi: Im Rahmen der neuen «Sprachstarken 7» pilotieren wir «KiWi» für Schülerinnen und Schüler und wollen dazu eine Feedbackgruppe aus Lehrpersonen und Schulklassen aufbauen. Damit stellen wir sicher, dass die Bedürfnisse aus der Praxis in unsere Entwicklungen einfliessen.
Was fasziniert euch persönlich an KI?
D. Ganter: Mich fasziniert die Geschwindigkeit der Entwicklung. Ich bin neugierig, was noch kommt. Natürlich gibt es Risiken. Aber mit dieser Entwicklung ist es wie bei anderen Neuerungen: Wir müssen den Umgang damit allmählich lernen.
S. Kägi: Mich faszinieren die Möglichkeiten, die KI für den Lernprozess bieten. KI eröffnet neue Möglichkeiten für eine individuelle Förderung. Auf der anderen Seite stellen sich aber auch Fragen: Wie können wir bei jungen Menschen das Bewusstsein dafür schaffen, wozu und wie sie lernen? Mit diesen Fragen müssen wir uns auseinandersetzen.
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