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Prisma

Frauenpower im «Natur und Technik»-Unterricht

Der Unterricht in Natur und Technik mit «Prisma» findet bei Thomas Roser zum Teil geschlechtergetrennt statt. Weshalb sich der Sekundarlehrer für dieses Setting entschieden hat, erfuhren wir an einem Schulbesuch.

«Prisma» und «Kisam» entwickeln sich weiter

Das neue «Prisma» ermöglicht einen noch differenzierteren Unterricht und verfolgt einen hybriden Ansatz. Die durchdachte Verknüpfung von gedruckten und digitalen Medien macht den Unterricht lebendig und zeitgemäss. Das neue «Prisma 1» und die Materialien von «Kisam» sind auf das Schuljahr 2028/29 einsatzbereit. Möchten Sie das neue «Prisma» testen, melden Sie sich bei Charlotte Spalinger für weitere Informationen: charlotte.spalinger@klett.ch

In einem ehemaligen Verwaltungsgebäude des Agrarunternehmens Syngenta hat eine Sekundarschule in Basel-Stadt ihr Zuhause gefunden. Wo einst die Geschäftsführung die Geschicke des Unternehmens leitete, bereiten sich nun Jugendliche auf ihre Zukunft vor. Im dritten Stock erwartet uns Thomas Roser. Er unterrichtet eine 8. Klasse in Natur und Technik mit dem Lehrmittel «Prisma». So weit nichts Ungewöhnliches, ausser dass er ein besonderes Setting gewählt hat: Thomas Roser trennt seine Klasse für eine von drei Lektionen nach Geschlecht. «Über die Jahre beobachtete ich, dass Lernverhalten, Selbstkonzept und Beteiligung im naturwissenschaftlichen Unterricht stark durch geschlechtsspezifische soziale Dynamiken beeinflusst werden», begründet er das Konzept. Dabei gehe es nicht um geschlechtsspezifische Eigenschaften, sondern um sozial erlernte Interaktionsmuster, erklärt er und führt weiter aus: «In vielen Unterrichtssituationen zeigt sich häufiger eine stärkere Sichtbarkeit und Beteiligung von Jungen, z. B. bei Experimenten, Diskussionen oder der Gerätezuteilung. Meine Erfahrung zeigt, dass Mädchen ihre Leistungen im Durchschnitt häufiger zurückhaltender einschätzen als Jungen, selbst bei vergleichbarer Kompetenz. Dieses Setting eröffnet zusätzlichen Raum für Beteiligung.» Thomas Roser betont, dass sein Ansatz auf Forschung und internationalen Studien zu Beteiligungsmustern und Selbstkonzept basiere (u. a. OECD*/PISA). Es handle sich um einen pädagogischen Versuch, der bisher gut funktioniere, den sie jedoch reflektiert einsetzen und kontinuierlich evaluieren würden.

Thomas Roser unterrichtet eine von drei Lektionen in Natur und Technik in geschlechtergetrennten Klassen.

 

Mit viel Drive Natur und Technik lernen

Bei Gruppenarbeiten machen die Jungs eher das Experiment und wir schreiben das Protokoll. Beim getrennten Unterricht machen alle beides.
Mira Buser, Schülerin

Mit dem geschlechtergetrennten Unterricht möchte Thomas Roser in erster Linie einen pädagogischen Entfaltungsraum bieten. Die Schülerinnen sollen erfahren, dass sie in den naturwissenschaftlichen Fächern gut sind. «Die Erfahrung zeigt, dass einige Schülerinnen und Schüler in diesem Setting mehr Selbstwirksamkeit, Risikobereitschaft und Vertrauen in ihre fachliche Kompetenz entwickeln. Sie sind motivierter, nehmen aktiver am Unterricht teil und erhöhen ihr naturwissenschaftliches Selbstkonzept», stellt er fest. Diesen Drive möchte der Sek-Lehrer nutzen, um die Mädels für naturwissenschaftliche Berufe zu begeistern. Er hofft, dass ihm das gelingt, und sieht bei seiner jetzigen Klasse einige Kandidatinnen, die sich für solche Berufe interessieren und viel Potenzial mitbringen.

Auch die Jungs profitieren

Thomas Roser beobachtet, dass bei geschlechtergetrennten Klassen das Lernklima meist ruhiger und fokussierter ist – sowohl bei den Schülerinnen wie bei den Schülern. Er kann seinen Unterricht in Bezug auf Tempo, Methode und Gesprächsführung besser auf die einzelne Gruppe ausrichten. Zudem hat er mehr Zeit für fachliche Tiefe und braucht weniger Energie für soziale Regulation. Davon profitieren auch die Jungs, ist Thomas Roser überzeugt: «Auch in den Jungenklassen entstehen eigene Dynamiken und Entwicklungschancen. Sie können andere Lernstrategien, kooperatives Arbeiten und eine reflektierte Fehlerkultur erproben.»

Wer reagiert schneller und schafft es, das Lineal aufzufangen? Die Schülerinnen oder Thomas Roser? In entspannter Atmosphäre testen sie sich gemeinsam.

 

Trennung nicht aus Prinzip

Für Thomas Roser ist es wichtig festzuhalten, dass er die Geschlechtertrennung im Unterricht nicht grundsätzlich besser findet. Vielmehr geht es ihm im konkreten Fall um eine lernwirksame Unterrichtsorganisation, die fachliches Lernen optimiert. Solange dieser Effekt sichtbar ist, wird er diese Unterrichtsform weiterführen.

* z. B.: OECD-Studie (2015): «The ABC of Gender Equality in Education: Aptitude, Behaviour, Confidence», PISA, OECD Publishing / OECD-Studie (2012): «Closing the Gender Gap: Act Now», OECD Publishing

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