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Wortschatz ­lehren und ­lernen – fünf Schritte zum Erfolg

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Eine Doppelseite aus dem Lehrwerk «Young World».

Wortschatz ­lehren und ­lernen – fünf Schritte zum Erfolg

Young World | 14. Mai 2019

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Wortschatzerwerb effektiv ist? Das zeigen die «Young World»-Autorinnen Silvia Frank Schmid und Illya Arnet-Clark am Beispiel des Englischlehrwerks auf.

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Auf der Seite «My words» sammeln die Schülerinnen und Schüler Wortschatz.

Wortschatz ist der elementare Baustein für jegliches Sprachen­lernen. Dessen Aufbau umfasst das Lernen einzelner Wörter bis hin zu mehrwortigen Ausdrücken (language chunks). Ein Wort zu können bedeutet im kompetenzorientierten Fremdsprachenunterricht, Wörter und deren Bedeutung in einem Kontext zu erkennen, zu verstehen und folglich situativ richtig anzuwenden. Eine korrekte Anwendung setzt somit Kenntnisse sowohl über den Wortklang ­(Aussprache) als auch über das Wortbild (Orthografie) voraus.

Prämissen

Lernen ist dann besonders effektiv, wenn die mentalen Prozesse vielfältig aktiviert werden. In diesem Sinn sind die nachfolgenden Prämissen von grosser Wichtigkeit, um die Nützlichkeit und Relevanz des Wortschatzlernens für die Lernenden sichtbar zu machen (Pavii Taka, 2008, S. 30):

  • Kopplung von neuem Wissen an bestehendes Vorwissen
  • Herstellung eines persönlichen Bezugs
  • Bedeutungsvolle, kontextualisierte ­Repetition
  • Explizite Lenkung der Aufmerksamkeit auf Aussprache und Orthografie

Diese Prämissen sind in den folgenden fünf Schritten des Wortschatzerwerbes impliziert.


Literatur

  • Brewster Jean, Gail Ellis und Denis Girard (2002):
    The Primary English Teacher’s Guide.
    New Edition. Essex: Penguin English Guides
  • Decke-Cornill Helene, Küster Lutz (2014): ­Fremdsprachendidaktik. Tübingen: Narr Verlag
  • Pavii Taka Višnja (2008): Vocabulary Learning. ­Strategies and Foreign Language Acquisition. ­Clevedon: Multilingual Matters

5 steps of vocabulary teaching

Brewster et al. (2002, S. 86–91) beschreiben in fünf Schritten, wie Wortschatz von den Lernenden verarbeitet und gelernt wird. Die ersten drei Schritte sind chronologisch zu betrachten, wobei sie parallel zueinander oder auch überlappend verlaufen können; die letzten beiden werden begleitend und somit zyklisch eingesetzt.

1 Focus on meaning of new words

In einem ersten Schritt sollen die Lernenden die neuen Wörter bewusst wahrnehmen und im Kontext deren Bedeutung dank Illustrationen, Gestik oder Realien verstehen. Um eine erste Verankerung zu fördern, sollen die Schülerinnen und Schüler diese Wörter mit ihrem Wissen über das Thema oder gar mit anderen ihnen bekannten Wörtern – auch aus anderen Sprachen – verbinden. Der Wortschatzerwerb wird begünstigt, wenn die Lernwörter kontextuell eingebettet werden. In «Young World» geschieht dies über die Panoramaseiten. Hier wird der Wortschatz eines Themas mit einem doppelseitigen Bild eingeführt (siehe Abbildung unten links).

2 Attending to form

Als Nächstes steht das Noticing, das ­Bemerken der formalen Eigenschaften der zu erlernenden Wörter, im Fokus. Für ein effektives Lernen wird die Aufmerksamkeit der Lernenden bewusst auf die Aussprache und Orthografie gelenkt. Dies geschieht in «Young World» mittels Flash Cards oder Word Cards, die illustrativ das Laut- und Wortbild vermitteln. Der zu erlernende Wortschatz wird dann in Bezug auf die Bedeutung und die korrekte Form in personalisierter Form auf der Seite
My words festgehalten (Abbildung rechts).

3 Practising and memorising

Dieser Schritt beansprucht einen grossen Teil der Unterrichtszeit. Daher ist es wichtig, möglichst vielfältige und bedeutsame Aktivitäten einzubauen. Dank kontextualisierten Aufgaben, in denen die Lernenden den Wortschatz kommunikativ anwenden, entwickeln sie die Fähigkeit, Wörter aktiv hervorzurufen und vielfältig zu nutzen. «Young World» bietet eine Vielzahl solcher kommunikativen Aktivitäten, in denen die Lernenden den Wortschatz sowohl rezeptiv wahrnehmen als auch produktiv anwenden. Zusätzlich ermöglichen die interaktiven Übungen und die Arbeitsblätter differenzierte und individualisierte Lernangebote. Diese verschiedenen Übungsmöglichkeiten sollen die Lernenden dazu befähigen, den Wortschatz am Schluss der Unit im Rahmen des Tasks anwenden zu können.

4 Consolidating and recycling

Das zyklische Lernen wird einerseits innerhalb einer jeden Unit realisiert, indem die Lernenden auf dem Weg zum Task dem Lernwortschatz mehrmals begegnen; anderseits passiert es auch über alle Bände von «Young World» hinweg. So ergibt sich eine Reihe von Repetitionsmöglichkeiten in diversen thematischen Kontexten.

5 Developing strategies for vocabulary learning

Die Arbeit an Lernstrategien beginnt schon am Anfang einer jeden Unit auf der Seite My words mit einer Sammlung des Wortschatzes unter Einbezug einer spezifischen Strategie. So können die Lernenden verschiedene Strategien ausprobieren und üben, sodass sich mit der Zeit für alle Lernenden jene Strategien herauskristallisieren, die für sie am besten funktionieren. Ihre Favoriten markieren sie im My booklet full of learning strategies, das als Kopiervorlage zur Verfügung steht.

Fazit

Im Wissen darum, dass Sprachen nicht ­linear
gelernt werden (Bley in Decke-Cornill & Küster, 2014, S. 36) und diese Prozesse bei den verschiedenen Lernenden individuell verlaufen, geben die vorgestellten Prämissen und fünf Schritte des Wortschatzlernens wichtige Anhalts­punkte, wie der Lernprozess organisiert und unterstützt wird. Lehr­personen können in ihrer täglichen Arbeit auf das im neuen «Young World» überarbeitete Konzept des Wortschatzlernens vertrauen – es ist ­sowohl theoriegestützt als auch praxis­erprobt.

www.youngworld.ch