Klett und Balmer Verlag Zug
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Alles ist Zahl
Eugen Jost und die Welt der Mathematik
«Mathematik ist für mich ein riesiger Garten mit Pflanzenbeeten, die verbunden sind durch breite Wege und verschlungene Pfade. Ich bewege mich darin als Blumenfreund, nicht als Gärtner oder Biologe. Ich pflücke mir bunte Sträusse und sammle seltene Blumen. Diese Blumen und Sträusse sind der Inhalt meiner Bilder.»
März-Bild: «Lo Shu»

LO SHU, Acryl auf Leinwand, 30 x 30 cm
Muster sind überall. Wir können sie in den Schneeflocken, in den Blütenständen der Pflanzen, in der schuppigen Haut der Fische entdecken oder in den Felgen der Autoräder, in Dohlendeckeln und in der Anordnung von Atomen in Molekülen. In meinen Bildern verwende ich manchmal solche Muster anstelle von Zahlen wie etwa in diesem magischen Quadrat. Schon die Griechen und Römer beschäftigten sich mit Mustern. Sie legten Steinchen in den Sand und betrieben so elementare Zahlentheorie. Die Steinchen brauchten sie auch zum Rechnen. Vom lateinischen Wort calculus, Kalkstein, stammt übrigens unser Wort kalkulieren.
Februar-Bild: «Alles hat seine Zeit»

AlLLES HAT SEINE ZEIT, Acryl auf Papier, 70 x 90 cm
«Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.» So beginnt ein Text aus dem Alten Testament (Kohelet 3).
Diesen Text habe ich vor etwa fünf Jahren bildnerisch umgesetzt: Alpha und Omega, lesen und schreiben, Planung und Tat. Hat das Bild Hand und Fuss?
Januar-Bild: «When I’m sixty-four»

WHEN I’M SIXTY-FOUR, Acryl auf Leinwand, 60 x 60 cm
Meine Bilder haben nicht ausschliesslich mit Mathematik zu tun. Mich interessiert auch, was zwischen Mathematik und anderen Disziplinen liegt. Für dieses Bild habe ich nach Ziffern und Zahlen gesucht, die ausserhalb der Mathematik eine Rolle spielen: etwa in der Geschichte (Luthers 95 Thesen), in der Literatur (Novecento von Alessandro Baricco), in Produktbezeichnungen (VAT 69), in der Sprache, im Spiel usw. Mit diesen Elementen habe ich gespielt und das vorliegende Suchbild gestaltet.
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Das Künstlerjournal
Mittlerweile ist mein Bild fertig. Ich habe die Buchstaben am Computer konstruiert und mir eine grosse Schablone schneiden lassen. «oTTo und Lucy» ist übrigens eine Reminiszenz an den Beatles-Song «Lucy in the Sky with Diamonds» und das darin erwähnte «girl with kaleidoscope eyes»...

oTTo und Lucy, Acryl auf Leinwand, 50 x 50 cm
Kurz vor Weihnachten letztes Jahr habe ich das Thema Symmetrie wieder aufgegriffen. Ich experimentiere mit Kaleidoskopen, spiegle Wörter und schaue, was dabei herauskommt. Was geschieht, wenn ich das Palindrom RELIEFPFEILER in ein Kaleidoskop stecke? Was passiert mit OTTO, ANNA, REITTIER?



In den kommenden Wochen möchte ich dieses Spiel weitertreiben und aus meinen Computer-Entwürfen ein «richtiges» Bild malen. Dabei beschäftigen mich wichtige Fragen: Welche Technik ist dem Thema Symmetrie angemessen? Wie kann ich die Strenge der gespiegelten Wörter auflockern? Lassen sich diese mehrmals gespiegelten Palindrome mit dem Pinsel überzeugend schreiben? Ich lasse mich überraschen…
Zum Künstler
Eugen Jost arbeitet als Primarlehrer in Matten bei Interlaken. Er malt und wohnt in Thun.
Nach seiner Ausbildung zum Lehrer hat sich Eugen Jost (*1950) unter anderem an der Schule für Gestaltung in Bern in den Bereichen Keramik und manuelle Drucktechnik weitergebildet. Er befasst sich in seiner Malerei mit Zahlen, Zeichen und Wörtern. Den Beziehungen zwischen Sprache und Mathematik gilt sein besonderes Interesse. Eines seiner mathematischen Bilder ist in einer Lernumgebung im Band 8 des «mathbu.ch» abgebildet. Für 2008 und 2010 hat der Künstler in Zusammenarbeit mit der Universität Bayreuth einen Mathematikkalender gestaltet.

